Es stellt sich die berechtigte Frage: « Weshalb erinnert das House of Bread an das Wunder der Brot-und Fischvermehrung in Bethlehem und nicht am See von Genezareth? » Diese Speisung hat definitiv nicht in Bethlehem stattgefunden! Kurz nachdem uns diese Mission ans Herz gelegt wurde, hätten wir auf diese Frage folgendes geantwortet: «Die Bedürftigkeit nach kostenlosem Brot ist in Bethlehem viel höher als in Israel, wo das Wunder stattgefunden hat. Ebenfalls werden die Produktions-, respektive die Einkaufskosten in Bethlehem tiefer sein als in Israel. Bethlehem liegt im palästinensischen Westjordanland in der Nähe von Jerusalem. Zusätzlich ist Bethlehem ein wichtiger christlicher Ort, da unser Herr und Messias Jesus Christus an diesem Ort geboren wurde. »

Einige Zeit später, als wir davon Kenntnis erhielten, hätten wir die ursprüngliche Aussage damit ergänzt, dass Bethlehem auf Aramäisch, die Sprache die Jesus sprach, Stadt des Brotes bedeutet.

Nach mehr als einem Jahr Missionsarbeit, erhielten wir folgende Erkenntnis:

Die biblische Geschichte von Bethlehem ist im engeren Sinn, sowie in der weiteren Auslegung stark mit dem Begriff Brot verbunden.

Beginnen möchte ich mit dem Buch Ruth. Ich habe mich immer gefragt und gewundert: Wie hat es das Buch Ruth eigentlich in den christlich-biblischen und jüdischen Kanon geschafft? Für mich war es eher eine Liebesgeschichte mit einem Happyend. Gott hatte für mich nicht irgendwie spektakulär eingegriffen und es geschah auch nicht wirklich etwas Bewegendes. Heute muss ich diese Aussage revidieren. Das Buch Ruth erzählt die Geschichte einer Frau, die als Flüchtling und als Witwe mit ihrer Schwiegermutter nach Bethlehem gekommen ist. Ihre Schwiegermutter Noomi war ursprünglich aus Bethlehem, floh aber aufgrund einer Hungersnot (Ruth 1.1). Nach 10 Jahren in Moab wurden aus Noomi und ihren zwei Schwiegertöchtern Witwen. Die Not dieser Frauen war wahrscheinlich sehr gross. Als sie vernommen hatten, dass der Herr sich seines Volkes angenommen und ihm Brot gegeben hatte, kehrten sie nach Bethlehem zurück (Ruth 1.6). Ruth lernte in Bethlehem den grosszügigen Grundbesitzer Boas kennen und heiratete ihn darauf. Die Not der Frauen war somit verschwunden, da Boas ein wohlhabender Mann war. Aus der Verbindung von Ruth und Boas entstand als Urenkel König David. Er stammte auch aus Bethlehem und war der Jüngste von sieben Brüdern. Als der Prophet Samuel, im Auftrag Gottes, David suchte, um ihn zum König zu salben, war dieser in Bethlehem am Schafe hüten (1. Samuel 16, 11-13). David ist eine zentrale Figur des Alten Testaments und schrieb einen bedeutenden Teil der Psalmen. Er war ein Multitalent und Vater des späteren Königs Salomon. Salomon war selber auch ein Verfasser des Alten Testaments. Einen überwiegenden Teil der Bücher «Die Sammlung der Sprüche», «Der Prediger Salomo», »Das Hohelied» und «Das Buch der Weisheit»[1] stammen aus seiner Feder.

Für unsere Schilderung ist aber von zentraler Bedeutung, dass Josef aus dem Hause Davids stammte und deshalb zur Volkszählung nach Bethlehem musste (Lukas 2.4). Die beiden Evangelisten Matthäus und Johannes berichten in der Weihnachtsgeschichte, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde. Auch Johannes erwähnte dies (Joh 7.42). Es erfüllte sich dementsprechend die Prophezeiung von Micha 5.1 die Hunderte von Jahren vorher niedergeschrieben wurde.

Aber du, Betlehem-Efrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen.
Micha 5.1

Der berühmte Fernsehprediger Joseph Prince vertritt die naheliegende These, dass Maria und Josef Unterkunft bei Verwandten gesucht haben. Wir erinnern uns, dass Josef aus dem Hause Davids stammte und David ein Urenkel Boas war. Joseph Prince vertritt die Ansicht, dass der Stall in Bethlehem den Nachkommen Boas gehörte, mit denen Maria und Josef verwandt waren. Wahrscheinlich gehörte die genannte überfüllte Herberge (Lukas 2, 8) ebenfalls den Nachkommen Boas. Da diese aber bereits voll war, wurden sie in einem Stall einquartiert.

Aus Johannes 6.35 lernen wir, dass Jesus von sich selbst sagt: «Ich bin das Brot des Lebens». Jesus ist von überwältigender Bedeutung. Er ist das Himmlische Brot und er kommt aus Bethlehem. Das Brot des Lebens kommt dementsprechend aus Bethlehem. Nun können wir aus diesen Schilderungen entnehmen, dass Jesus für uns das Brot des Lebens ist, dass Bethlehem mit dem Begriff Brot stark verbunden ist und dass die Nachkommen Boas auch involviert waren.

Bezeichnend für das «House of Bread» ist der Umstand, dass das «House of Bread» selber in einem Haus tätig geworden ist, dass einem Nachkommen Boas gehört. Der lokale Leiter des «House of Bread» in Bethlehem ist Elias Boas Abu Zuluf. Seine Familienchronik besagt, dass sie aus der Linie Boas stammen. Die biblische Familiengeschichte von Boas und Ruth handelt von Not, zu wenig Brot und Flucht. Durch die Barmherzigkeit Gottes verschwand die Not in dieser Familie. Mit König David und König Salomon entsprangen wichtige Verfasser des Alten Testaments aus dieser Saat. Ihre Bedeutung im Judentum, sowie auch im Christentum ist enorm. Selbst der Messias Jesus steht in Verbindung mit dieser Familie. Bei diesen Leuten in Bethlehem kam mit der Geburt Jesus somit das Brot des Lebens auf diese Welt. Es ist für uns selbst verblüffend, dass Gott das «House of Bread» an diesen Ort geführt hat, ohne dass wir uns dieser geschilderten Zusammenhänge bewusst waren. Das «House of Bread» erinnert deshalb aus Bethlehem an die Speisung der 5.000 mit Brot und Fisch und dass Jesus das Brot des Lebens ist!

Das Wort war bei Gott (Joh 1,1). Jesus ist das Wort Gottes! Sofern wir das Wort Gottes wie Brot in uns aufnehmen, wird die Botschaft von Jesus in uns lebendig und wir dürfen auf eine ewige Gemeinschaft mit ihm und mit unserem allerhöchsten Schöpfer hoffen (Joh 6.58).

[1] Das Buch der Weisheit ist im katholischen, orthodoxen und jüdischen Kanon enthalten.